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Nachhaltigkeit und Digitalisierung – kritisch-konstruktive Perspektiven auf einen neuen Zusammenhang

Ein Seminar mit öffentlicher Vorlesungsreihe im Studiengang Onlinejournalismus, Wintersemester 2019-2020, jeweils donnerstags, ab 12 Uhr im Raum 16-116 am Mediencampus in Dieburg. 

 

Das Thema

Die Hochschule Darmstadt und der Mediencampus diskutieren zunehmend das Konzept der Nachhaltigkeit, vor allem auch hier in Dieburg unter der Perspektive der Kommunikation. Das Leitbild wird Gegenstand vieler Planungen, Konzepte und Entwürfe. Dennoch erfolgte bisher weniger oft eine Begriffsklärung und Begriffsbildung mit Bezug zu tradierten Konzepten der Nachhaltigkeit. Dieser Schritt scheint jedoch nötig, wenn das Leitbild so ins Zentrum rückt.

Nach einer Gesamtschau gängiger Definitionen von Nachhaltigkeit erfolgt in der Lehrredaktion des fünften Semesters im Studiengang Onlinejournalismus zunächst eine ethische Argumentation hin zu einer ökologischen Nachhaltigkeit. Sie unterscheidet sich dezidiert vom meist gelehrten “Nachhaltigkeits-Dreieck“, in dem Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie gleichrangig behandelt werden. Neuere Konzepte Nachhaltiger Entwicklung nehmen aber Abschied von dieser „schwachen“ Definition. Sie nehmen Debatten um die planetaren Grenzen und das Anthropozän, den möglichen Eintritt in ein neues Erdzeitalter durch massiven Umweltfrevel,  ernst und setzen so ein Ökologieprimat voraus, ziehen einen Erdrahmen um alle anderen Teilsysteme. Das Projekt Grüner-Journalismus hat dies in seinem Begriffsverständnis, das auch das individuelle Glück und die Lebensqualität umfasst, bereits 2014 getan.

Nachhaltigkeit tritt in dem Seminar als universeller Wert hervor, vergleichbar zu Grundwerten im Kontext von Demokratie. Dieses Verständnis führt zu einer Handhabung der Nachhaltigkeit als offener, aber normativ gerichteter Wertedimension für alle Kommunikationsakteure. Die Debatten hierzu, die durch eine eigene Vorlesungsreihe gestützt werden (siehe unten) beziehen kritisch-konstruktive Perspektiven auf  Kommunikation ein. Diese sind seit einigen Jahren verstärkt in der Soziologie, der Ökonomie, aber auch nun den Kommunikationswissenschaften mit dem Netzwerk „KriKowi „für kritische Kommunikationswissenschaften zu finden.

Daraus ergeben sich wichtige Notwendigkeiten wie Wachstums- und Kapitalismuskritik, Technikkritik, Sprachkritik – und auch die Anerkennung des Menschen als Sozial- und Naturwesen mit seinen grundlegenden Bedürfnissen (Haptik, Sinne, Ästethik, Gemeinschaft) in die Theoriebildung. Dem dominant Digitalparadigma wird so das Analoge in neuer Weise hinzugefügt und ergänzt.

 

Die Vorlesungen

7.11. Erst um 15.30 Uhr

Begriffe der Zukunft, Zukunft der Begriffe: Das Konzept der Digitalisierung im Kontext eines neuen sozial-ökologischen Möglichkeitsdenken – Dr. Gösta Gantner, Universität Heidelberg 

 

14.11. 

Zwischen Behördendeutsch, Technikfetisch und Start-Up-Hype – sprachkritische Perspektiven auf laute Phänomene der Digitalisierung – Prof. Dr. Torsten Schäfer 

 

21.11.

Bits & Bäume – Bewegung für Digitalisierung und Nachhaltigkeit (Skype) – Vivian Frick, wiss. Mitarbeiterin an der TU Berlin im Projekt „Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation“ 

 

28.11.

Warum wir das Analoge im Digitalen brauchen: zur Bedeutung von Printmagazinen für die Große Transformation – Stella Lorenz, Absolventin des MA Medienentwicklung

 

05.12.

Digitalisierung und Verantwortung: für ein instrumentelles Verständnis digitaler Prozesse – Prof. Dr. Lorenz-Meyer

 

12.12.

Grüner Onlinejournalismus und urbane Transformation: das Beispiel der Plattform „Wandelbares Darmstadt“- Lisa Mattis, Absolventin des MA Medienentwicklung

 

19.12.

Nachhaltigkeit in der Redaktion? Grüne Medienproduktion – Erkenntnisse und Trends – Katharina Schuster, Absolventin des MA Medienentwicklung

 

Der Kurs

Onlinejournalismus-Studierende der Hochschule Darmstadt werden in dieser Lehrredaktion, die sechs Wochenstunden umfasst, im Wintersemester 2019/20 dem neuen großen Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Digitalisierung kritisch nachspüren und Schlüsselakteure aus diesem Bereich in Interviews und Porträts vorstellen. Dazu erstellt das Redaktionsteam ein Themendossier auf der Plattform Grüner-Journalismus.de, entwirft dafür ein eigenes Logo, eine Social-Media-Strategie, gibt dem Dossier einen griffigen Titel und bearbeitet weitere Elemente. Die Studierenden haben eine redaktionelle Rolle (Leitung, Foto/Grafik, Social Media, Producer) sowie die Rolle der Autoren, die über die beiden Megatrends, die auch für die Hochschule Darmstadt die Leitbilder geworden sind, kritisch berichten – mit Texten, aber auch Audio-Interviews, Fernsehbeiträgen und Bildstrecken. 

Eine Basis für die Beiträge sind Live-Vorträge von ExpertInnen aus dem Themenfeld, die in der Begleitveranstaltung zu verschiedenen Aspekten vortragen, die der Lehrredaktion donnerstags vorausgeht. Darüber hinaus werden weitere Schlüsselpersonen aus dem Feld vorgestellt. Insgesamt soll am Ende mit dem Dossier ein medienjournalistischer Überblick zu diesem Trendparadigma entstehen, den es vorher so nicht gab. Zu jeder Woche findet die Redaktionssitzung statt, die größtenteils selbstorganisiert wird. Folgende Schwerpunkte sind über die Vorträge geplant. 

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