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Rückblick zur i:ne Ringvorlesung 20/21 aus Ungewissheiten lernen

Quelle: Pixabay
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Was bedeutet „Nachhaltige Entwicklung” – bezogen auf die Stadt Darmstadt, die Region, aber auch in globaler Perspektive? Dies ist Gegenstand der jeweils im Wintersemester stattfindenden Ringvorlesung der „Initiative: Nachhaltige Entwicklung” (i:ne) in der Hochschule Darmstadt. Immer donnerstags von 18-19:30 Uhr treffen sich alle Interessierten im Haus der Energie an der h_da. Im Wintersemester 20/21 fand die Ringvorlesung pandemiebedingt online statt. Das Programm ist auf der i:ne-Website zu finden.  Ergänzend besteht die Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit diesen Fragen in einem Begleitseminar zu vertiefen.

Die Ringvorlesung „Aus Ungewissheiten lernen – Darmstädter Antworten in der Klima- und Viruskrise“ stand im WiSe 20/21 unter den Leitfragen:

  • Welche Lehren lassen sich aus dem bisherigen Umgang mit Unsicherheiten ziehen?
  • Was bedeutet dies für zukünftige Strategien, Unsicherheiten zu bewältigen?
  • Lassen sich Darmstädter Wege in der Klima- und Viruskrise formulieren?

Diesen Fragen ging die Ringvorlesung in elf Vorträgen nach und beleuchtete mit Akteuren aus der Region Darmstadt verschiedene Handlungsfelder.

Die ersten drei Vorträge spannten den Rahmen auf und betrachteten den Umgang mit Unsicherheiten aus verschiedenen übergeordneten Perspektiven. In der Auftaktveranstaltung zeigten der Jurist Martin Führ, der Maschinenbauer Sven Linow und der Journalist Torsten Schäfer (alle von der Hochschule Darmstadt) den Umgang mit Unsicherheiten in Politik und Gesellschaft unter anderem am Beispiel der Corona-Pandemie und der Klimakatastrophe auf.  

Quelle: Martin Führ, Sven Linow, Torsten Schäfer

Der spannenden Frage, welche Rolle Risiko und Unsicherheiten bei der Entscheidungsfindung des Menschen spielen, ging der Psychologe Kai Schuster (Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften) in einem weiteren, übergeordneten Vortrag nach. Er erläuterte, welche Faktoren eine Entscheidung beeinflussen und welche Strategien sich Menschen erarbeitet haben, um Entscheidungen überhaupt treffen zu können.

Eine andere Perspektive – die technikwissenschaftliche – nahm der Ingenieur Jürgen Schmitt (Hochschule Darmstadt, Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen) in seinem Vortrag ein. Er zeigte auf, wie Risiken im Tunnelbau durch den Einbezug von Schadens- und Risikoanalysen minimiert werden.

Die sich anschließenden Themen beleuchteten den Umgang mit Unsicherheiten aus ausgewählten Einzelperspektiven:

  • Der Darmstädter Arzt Rainer Kollmar (Klinikum Darmstadt) erläuterte die Herausforderungen bei der Behandlung von Patienten mit COVID-19 und die Folgen im Umgang mit den Ungewissheiten, mit denen das Personal am Klinikum Darmstadt, aber auch das Gesundheitssystem in Südhessen konfrontiert ist.
  • Die Bekämpfung der Tigermücke, die sich auch in Deutschland ausbreitet und Dengue-Fieber und Zika-Virus übertragen kann, hängt von der Mitwirkungsbereitschaft der Bevölkerung ab. Hierzu stellte der Biologe Aljoscha Kreß die dazu erforderlichen Maßnahmen durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie vor. Zudem erläuterte er, welche Informationsmaterialien das Landesamt für die Bürger bereithält.
  • Nicht nur die Ausbreitung anderer Arten, sondern auch Extremwettereignisse wie Starkregen oder Hitzewellen sind Folgen der Klimakatastrophe. Mit welchen klimatischen Einflüssen in Zukunft gerechnet werden muss und welche negativen Folgen dies für Städte und Regionen haben, erläuterte die Bauingenieurin Birgit Haupter (Infrastruktur & Umwelt, Professor Böhm und Partner, Darmstadt) in ihrem Vortrag.
  • Von den Auswirkungen des klimatischen Wandels ist auch der Darmstädter Wald betroffen. Der ehemalige Forstamtsleiter Arnulf Rosenstock erläuterte anschaulich, wie ein resilienter Zukunftswald in 50-100 Jahren aus Sicht der Forstwissenschaften aussehen kann und welche Maßnahmen dafür schon heute unter Einbezug aller Akteure zu ergreifen sind.
  • Welche Mechanismen das europäische Stoffrecht REACH bereithält, um mit Ungewissheiten über die Wirkungen von chemischen Stoffen umzugehen, berichtete die Chemikerin und Juristin Anja Schmolke vom Baden-Württembergischen Umweltministerium. Sie erläuterte, wie das Vorsorgegebot hier dazu beiträgt, fehlende Informationen über Stoffeigenschaftenzu gewinnen und wo hier noch Handlungsbedarf besteht.
  • Die grundsätzlichen Unsicherheiten, die Flucht und Migration antreiben, erläuterte Susanne Schultz (Universität Bielefeld). Sie ging auch darauf ein, welche Unsicherheiten für flüchtende Menschen sowie die Staaten, die sie verlassen, entstehen.

Die letzten zwei Vorträge der Ringvorlesung zeigten Methoden und Werkzeuge auf, mit denen sich Ungewissheiten in der Klima- und Viruskrise bewältigen lassen:

  • Die Technikfolgenabschätzung (TA) als eine Möglichkeit Risiken im Vorfeld zu erkennen, abzuschätzen und entsprechende politische Handlungsempfehlungen für die Vermeidung von Risiken zu unterbreiten, war Thema des Vortrags des Technikphilosophen Jan Schmidt (Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften). Er erläuterte, welche Rolle TA in den Handlungsfeldern einer Nachhaltigen Entwicklung spielen kann.
  • Konkrete Handlungsempfehlungen für eine zielführende Klimakommunikation formulierte der Kommunikationswissenschaftler Torsten Schäfer (Hochschule Darmstadt, Fachbereich Media) in seinem Vortrag: Ein erster Schritt sei, sich der eigenen Kommunikationskraft bewusst zu werden und zu überprüfen welche Begriffe jede(r) selbst verwendet und was er/sie damit ausdrücken möchte. Die Unsicherheit, die zur Wissenschaft dazu gehört und eine große Rolle in der Klima- und Viruskrise spielt, sollte man transparent kommunizieren.

Die Abschlussveranstaltung der Ringvorlesung stand unter dem Thema „Wie geht die nächste Generation mit Risiken und Ungewissheiten um?“ Die Studierenden des Begleitseminars erläuterten in vier Impulsbeiträgen zu ausgewählten Themen der Ringvorlesung, welche Strategien im Hinblick auf Ungewissheiten für die Zukunft denkbar und welche Herausforderungen damit aus Ihrer Sicht verbunden sind. Sie stellten fest, dass aus Ungewissheiten auch etwas Neues und Positives entstehen kann. Entscheidend sei dabei die Erkenntnis des Nichtwissens und der Umgang damit. Die vorgestellte Methode der Technikfolgenabschätzung könne an dieser Stelle helfen, diese Ungewissheiten abzuschätzen und neue Möglichkeitsräume zu schaffen.

Die Studierenden diskutierten über die Relevanz der Kommunikation im Kampf gegen das Klimaproblem und die Pandemie. Diese sollte dazu dienen, Ungewissheiten abzubauen und die Entscheidungsfindung transparent darzustellen. Auch eine emotionale Ansprache sollte mehr gefördert werden. Mit dieser Vorgehensweise sei es aus ihrer Sicht besser möglich, die Folgen des Klimaproblems oder auch der Pandemie zu verdeutlichen und somit die Mitwirkungsbereitschaft der Menschen zu aktivieren und sie zum Handeln zu bewegen. Die Handlungsbereitschaft können zudem verbessert werden durch eine bessere Verbindung von Politik und Wissenschaft sowie die Einbindung junger Menschen in Entscheidungspositionen.

Damit Lösungen in der Klima- und Viruskrise erarbeitet werden können, muss das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln und mit verschiedenen Disziplinen beleuchtet werden –  und diese interdisziplinären Sichtweisen nach vorne gestellt werden, damit nachhaltig Veränderungsprozesse möglich sind.

Wie bereits in den vergangenen Jahren finden sich die Vorträge der Ringvorlesung auf dem i:ne Youtube-Kanal. Die Planung für die nächste Ringvorlesung für das WS 2021/22 läuft bereits.

Autorin: Claudia Schreider

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