0 In Ein- & Ausblicke

Grüner Campus an der h_da

Quelle: h_da/Anna Breuer

Das Summen der Bienen in den Ohren, vorbei an bunt sprießenden Krokussen sowie Kräuter-und Staudenbeeten auf dem Weg zur Vorlesung. An der Hochschule Darmstadt (h_da) arbeiten das Green Office und das Nachhaltigkeitsmanagement in Zusammenarbeit mit Bau und Liegenschaften seit einiger Zeit an verschiedensten (Studierenden-)Projekten, damit der Campus noch grüner wird. Dabei spielen Begriffe wie Biodiversität und Artensterben sowie die Aufenthaltsqualität von Studierenden und Mitarbeitenden eine zentrale Rolle. Doch was passiert da eigentlich genau?

Anna Breuer, Projektmitarbeiterin im Nachhaltigkeitsmanagement an der Hochschule Darmstadt, erklärt uns dies in einem Interview.


Nachhaltigkeitsblog: Womit beschäftigst du dich in deiner Rolle an der h_da ganz allgemein?

Anna Breuer: Ich arbeite im Nachhaltigkeitsmanagement und beschäftige mich da mit Klimaanpassung und Biodiversität. Ganz kurz zur Einordnung: Klimaanpassung ist nicht Klimaschutz. Klimaschutz ist die Reduktion von Treibhausgasemissionen, um den Klimawandel zu verlangsamen und um damit die Klimakatastrophe zu verhindern. Klimaanpassung beinhaltet, wie wir unser Verhalten, aber auch unsere bebaute Umwelt an die Klimawandelfolgen anpassen. Klimawandelfolgen in Darmstadt werden Prognosen zufolge vor allem eine Zunahme an Hitzewellen, Dürreperioden und Starkregenereignissen sein. Ich erstelle ein Klimaanpassungskonzept für die Hochschule Darmstadt, also wie sie sich daran anpassen kann. Ein großer Teil davon beinhaltet bauliche Maßnahmen, wie Gebäudebegrünung und grüne Außenflächen und das ist dann auch die Überschneidung zum Themenfeld der Biodiversität, wo es eben auch darum geht, die Artenvielfalt am Campus zu erhöhen und den Campus grüner zu machen.

Nachhaltigkeitsblog: Ich interessiere mich heute besonders für „Grüner Campus“ – worum geht’s dabei im Kern?

Anna Breuer: Prinzipiell fasst die Bezeichnung „Grüner Campus“  viele kleinere Projekte zusammen, die wir jetzt gestartet haben und auch noch in Zukunft fortführen wollen. Sie haben das Ziel, die Aufenthaltsqualität und auch die Biodiversität am Campus durch mehr Pflanzen zu erhöhen. Die erhöhte Aufenthaltsqualität entsteht beispielsweise dadurch, dass Pflanzen einen Kühlungseffekt haben, weil sie Wasser verdunsten und einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit haben.

Nachhaltigkeitsblog: Du bist eben auf Biodiversität eingegangen; wenn jemand gar nicht weiß, was das ist, wie würdest du es kurz erklären?

Quelle: h_da/Anna Breuer

Anna Breuer: Also das einfachere Wort dafür ist wahrscheinlich Artenvielfalt. Was wir zum Beispiel an der h_da haben, sind viele grüne Wiesen und das ist schon mal schön, dass wir die haben, aber diese sind eben nicht besonders vielfältig in der Bepflanzung und das wäre wichtig, damit möglichst viele Insekten Nahrung finden. Diese nutzen dann wiederum Vögel als Nahrung und so geht es immer weiter im Ökosystem. Nur wenn ein Teil eines Ökosystems fehlt, dann brechen diese Ökosysteme in sich zusammen. Das kann unter anderem passieren, wenn die Artenvielfalt zu gering ist. Auch wir leben in einem Ökosystem und auch unser Lebensraum kann zusammenbrechen, wenn ein Baustein im Sinne einer Tier- oder Pflanzenart wegfällt. Beispielsweise sind Insekten auch wichtige Bestäuber für Obst- und Gemüsepflanzen, die für uns notwendige Nahrung sind. Bis zu eine Millionen Tier- und Pflanzenarten sind durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht und auch in Deutschland sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus. Wir werden jetzt mit unseren kleinen Aktionen an der h_da das generelle Artensterben nicht aufhalten, aber hoffentlich das Bewusstsein dafür stärken. Vielleicht setzen sich Studierende auch in Zukunft für größere Projekte ein, um die Wichtigkeit von Biodiversität und Artenvielfalt zu verdeutlichen und zu unterstützen.

Nachhaltigkeitsblog: An der h_da gibt’s einige Projekte, die zur Biodiversität am Campus beitragen sollen, kannst du uns mehr dazu erzählen?

Anna Breuer: Wir haben jetzt letztes Jahr schon verschiedene Dinge umgesetzt. Zum einen haben wir auf manchen Flächen am Campus Schöfferstraße ein geändertes Mahdkonzept, das heißt, es wird anders gemäht und zwar nur noch zweimal im Jahr. Dadurch haben Pflanzen und Gräser die Möglichkeit zu blühen und es entstehen Blühwiesen, welche im Juni blühen müssten. Die sind auch alle mit Infotafeln beschildert, diese kann sich jeder mal bei einem Spaziergang über den Campus durchlesen.

Quelle: h_da/Anna Breuer

Dann wurde bei der Neu- und Nachpflanzung von Bäumen drauf geachtet, dass dort nicht noch ein Ahornbaum gepflanzt wird, davon haben wir nämlich viele auf dem Campus, sondern es wurden Arten gewählt, die es noch nicht gibt, oder die hitzetolerant sind. An einigen Bäumen auf dem Campus Schöfferstraße gibt es auch Schilder, auf denen man mehr über die Bäume erfahren kann.

Und wir hatten Pflanzaktionen mit freiwilligen Studierenden als auch Mitarbeitenden: Da gibt’s einmal das Mensabeet am Campus Schöfferstraße, dann haben wir Blühstreifen an der Wasserbauhallenwiese angelegt und wir haben Krokusse auf diversen Wiesen am Campus gepflanzt, die im Februar auch schon sehr schön geblüht haben. Die letzte größere Aktion waren dann Staudenbeete und der Blühstreifen bei A14, das ist beim Fachbereich Maschinenbau und Kunststofftechnik am Haardtring.

Nachhaltigkeitsblog: Wer kann nochmal genau an den Pflanzaktion teilnehmen?

Anna Breuer: Alle! Jeder, der Lust hat, also wir hatten jetzt bei den verschiedenen Aktionen auch unterschiedliche Freiwillige. Mal waren es viele Studierende, mal waren es viele Mitarbeitende. Man braucht auch keine gärtnerischen Vorkenntnisse, denn das Einpflanzen ist nicht schwer, das erklären wir kurz und wir stellen auch Werkzeug und Pflanzen. Ich glaube es ist für alle Angehörigen der h_da schön, denn es entsteht eine Art Social Event. Studierende können sich untereinander vernetzen und Mitarbeitende haben die Chance, Personen aus anderen Bereichen kennenzulernen.

Quelle: h_da/Anna Breuer

Nachhaltigkeitsblog: Welche weiteren Projekte sind zukünftig für die h_da geplant?

Anna Breuer: Also es steht noch nichts zu hundert Prozent fest, weil für alles Neue erst noch Planungen gemacht werden müssen und die Finanzierung geklärt werden muss. Ich persönlich würde gerne nächsten Herbst mehr Krokusse und Zwiebelblumen pflanzen, weil das mit geringem Aufwand sehr schöne Ergebnisse erzielt. Zudem gibt es auch durchaus Flächen an der h_da, an denen ich mir noch weitere Staudenbeete vorstellen könnte. Gute Pflanzzeitpunkte sind dafür der Herbst oder das Frühjahr, also allerfrühestens nächsten Herbst würde es da weitergehen. Ein konkreteres Projekt gibt es noch: Und zwar ist geplant vor den A-Gebäuden am Haardtring Pflanzkübel aufzustellen, um eben auch dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Studierende der Studiengänge Bauingenieurwesen, Umweltingenieurwesen und Architektur hatten für dieses Projekt verschiedene Modelle entworfen, wobei das Besondere an der Aufgabe das “quasi-autarke” Bewässerungssystem der Pflanzkübel war.

Nachhaltigkeitsblog: Wie würdest du deine persönliche Vision hinsichtlich des Campusgeländes beschreiben?

Quelle: h_da/Anna Breuer

Anna Breuer: Noch Grüner (schmunzelt)! Ich würde mir vorstellen, dass es hier ein Ort ist, der erholsam ist, wo man gerne zwischen Vorlesungen oder in seiner Mittagspause rausgeht und sich mit anderen trifft und aufhält oder auch alleine irgendwo seinen Kaffee genießen kann. Dafür bräuchte es meiner Meinung nach noch deutlich mehr Bäume auf dem Campusgelände, auch teilweise Entsiegelungen, also, dass asphaltierte oder betonierte Flächen noch grüner werden und auch, dass die Gebäude grüner werden in Form von Fassaden- oder Dachbegrünung. Ich weiß, dass sich häufig das Bild hält, dass Städte grau sind, aber Städte müssen nicht grau sein, sie können auch grün sein und das würde ich mir auch für die Standorte der Hochschule wünschen.

Nachhaltigkeitsblog: Und wenn du jetzt nochmal abschließend sagen müsstest, warum es jetzt so wichtig ist, dass Biodiversität und Klimaanpassung an unserem Campus umgesetzt werden müssen, wie würdest du da antworten?

Anna Breuer: An der Hochschule wird Wissen vermittelt und ich finde, dass das auch in den Gebäuden und an den Außenflächen erlebbar sein sollte. Durch unsere Pflanzaktionen oder Informationsschilder kann den Menschen gezeigt werden, warum Biodiversität wichtig ist und wie einfach es sein kann, sie zu schaffen. Bezüglich der Klimaanpassung ist eine zusätzliche Begrünung in den Freiflächen und auch an den Gebäuden wichtig, um sowohl die Aufenthaltsqualität als auch die Lehrqualität am Campus zu erhöhen und trotz Klimawandelfolgen zu erhalten. Die h_da sollte ein Ort bleiben, an den man gerne kommt, um sich aufzuhalten, aber natürlich auch, um zu lernen.

Nachhaltigkeitsblog: Das war’s soweit mit den Fragen, möchtest du uns noch etwas von dir aus mitteilen?

Anna Breuer: Was ich noch gerne sagen würde, ist, dass sich bei den Themen Biodiversität und Pflanzaktionen immer gerne Freiwillige melden können, wir aber auch noch andere Ideen haben. Ich hatte zum Beispiel an eine Art Biodiversitätsspaziergang gedacht, bei dem Studierende anderen Mitarbeitenden mehr zu dem Thema berichten können. Das Baumbeschilderungsprojekt könnte auch noch weiter ausgebaut und mit mehr Informationen ausgestattet werden, denn aktuell steht da nur der Name des Baumes. Man könnte jedoch weitere Informationen, beispielsweise über einen QR-Code hinterlegen. Wenn jemand Lust hat, sich freiwillig zu engagieren, dann kann man sich immer gerne melden, also nicht nur fürs Gärtnern, sondern auch für andere Themen und Anregungen.

Nachhaltigkeitsblog: Und sollte man sich dann beim Nachhaltigkeitsmanagement melden?

Anna Breuer: Genau, einfach eine E-Mail an nachhaltigkeitsmanagement@h-da.de schreiben und dann meldet sich jemand von uns! 🙂


Das könnte dich auch interessieren

Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort