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W:NE-Vortragsreihe: Neuer Input zum nachhaltigen Gesellschafts- und Wirtschaftswandel

Quelle: ZNWU und h_da
Quelle: ZNWU und h_da

Mit Ende der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2021 neigte sich auch die diessemestrige Vortragsreihe „Wirtschaft im Dialog zu: Nachhaltige Entwicklung“ (W:NE) zum Gesellschafts- und Wirtschaftswandel dem Ende. Hierin wurden wieder spannende Themen wie unter anderem nachhaltige Geschäftsmodelle, Mobilitätstypen, Recourcenefficienz oder zukunftsorientierte Lebensweisen präsentiert und mit zahlreichen internen als auch externen Wissenschaftler*innen diskutiert. Veranstalter der W:NE-Vortragsreihe war das Zentrum für nachhaltige Wirtschafts- und Unternehmenspolitik (ZNWU), einem Institut der Darmstadt Business School als Teil der Hochschule Darmstadt.

Vom nachhaltigen Geschäftsmodell zum Selbstexperiment

Den Startschuss der W:NE-Vortragsreihe übernahm in diesem Semester Prof. Dr. Timo Braun (FB Wirtschaft h_da) mit seinem spannenden Beitrag zum Thema Facetten eines nachhaltigen Geschäftsmodells. In seinem Vortrag verdeutlicht Dr. Braun, dass eine nachhaltige Entwicklung durch die Anpassung aktueller Konsum- und Produktionsprozesse herbeigeführt werden kann.  Für Unternehmen bedeutet dies, dass  die eigene Geschäftslogik geändert werden muss. Hierbei muss das Unternehmen allerdings weiterhin ertragsfähig sein. Dies wird durch eine engere und breitere Zusammenarbeit mit ähnlichen als auch unterschiedlichen Industrien erreicht. Des Weiteren können Umwelt- oder Sozialkosten in die Geschäftslogik der Unternehmen aufgenommen werden, um dadurch neue Einnahmequellen oder langfristige Kosteneinsparungen zu erzielen. Ebenso können auch weitere Kundengruppen, durch neue Geschäftsmodelle, wie das Vermieten von nachhaltigen Produkten oder einem nachhaltigen Marketing angesprochen werden.

Darauf folgte ein Praxisbeispiel von Volker Schmidt-Sköries (Gründer und Chef der Biobäckerei-Kette Kaiser) mit dem Titel Unternehmertum und konkrete Utopie – Vom Ökopionier zum sozialethischen Anstifter. Inhaltlich wurde der Themenkomplex nachhaltiger Geschäftsmodelle und Wirtschaftsweisen durch die Vorträge Biosozialität und Soziobiologie im Kapitalozän. Zur Konjunktur lebenswissenschaftlicher Metaphern und Modelle in der Diskussion über unsere Wirtschaftsweise von Sonja Kleinod (FB Wirtschaft h_da) und die Präsentation „Shifting the trillions“ – Beitrag des Kapitalmarkts zur nachhaltigen Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft durch den Gastredner Marcus Pratsch (Head of Sustainable Bonds & Finance, DZ Bank) ergänzt.

Über die Rolle der Verwaltung für eine nachhaltige Entwicklung der Innenstädte diskutierten im Rahmen der W:NE Seminarreihe Christian Schoon (Zukunftsforscher der Stadt Köln) und Prof. Dr. Friederike Edel (Professorin für Public Management der h_da): Die Verwaltung hat laut den Expert*innen eine wesentliche strategische und steuernde Funktion für die Entwicklung der Innenstadt – dies gilt auch für viele weitere Themenfelder. Sie ist Schlüsselakteur in der großen Transformation durch die Rolle als Gestalter bzw. als Umsetzer von Rahmendbedingungen. Wesentlich ist daher eine zukunftsorientierte Qualifizierung für den öffentlichen Dienst. Durch die an der h_da im Sommersemester 2021 erprobten Lernlabore gemeinsam mit der Stadt Eltville am Rhein sowie der Kreisstadt Eschwege konnten im engen Austausch Lehrende und Studierende aus dem Studiengang Public Management Themen zur Zukunft der Innenstadt bearbeiten.

Das von Prof. Dr. Werner Stork (FB Wirtschaft h_da) gewählte Thema zur gesellschaftlichen Resilienz, mit dem Fokus auf die deutsche Verwaltung nach dem Corona-Schock regte alle Teilnehmer*innen zu einer lebhaften Diskussion an. Einen eher auf den gesellschaftlichen Wandel ausgerichteten Fokus wählten Nicole Reinfeld (Frankfurt University of Applied Sciences) mit ihrer Analyse zu Mobilitätstypen und Prof. Dr. Klaus Ahrend (FB Wirtschaft h_da) mit seiner Präsentation von Ansätzen zur Steigerung der Ressourceneffizienz und Vermeidung von Plastik.

Als zentrale Ansätze sieht Dr. Ahrend neben dem freiwilligen Verzicht von Plastik bei Konsum und wirtschaftlicher Nutzung auch die Ausweitung von Recycling-Ansätzen, die Nutzung von Ersatzprodukten sowie politische Ansätze zur Förderung von alternativen nachhaltigen Geschäftsmodellen, die die Nutzung von Plastik reduzieren. Neben seinem wissenschaftlichen Interesse an nachhaltigen Geschäftsmodellen (gerade auch im Rahmen des ZNWU) treibt Klaus-Michael Ahrend auch die Umsetzung von nachhaltigen Geschäftsmodellen in der Praxis voran. So wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt unter dem Titel Darmstädter Weg ein Mehrwegbechersystem entwickelt. Auf dieser Basis wurde 2020 das Unternehmen HEAG FairCup gegründet, das sich neben Mehrwegbechern auch um die Nutzung von Mehrweg-Schalen kümmert. Neben Ansätzen aus Wissenschaft und Wirtschaft für eine Transformation des Plastikkonsums bedarf es aber auch klaren politischen Rahmensetzungen. Den positiven Beispielen des Verbots von Einwegplastik ab dem 3.7.2021 und der Verpflichtung zum Angebot von Mehrwegbehältern durch Restaurants und Cafés ab 2023 durch das novellierte Verpackungsgesetz sollten weitere Ansätze folgen. 

Aufbauend auf den Vortrag von Dr. Ahrend, gab Jakob Bürkner (FB Wirtschaft h_da) uns auf individueller Ebene einen spannenden Einblick in sein Selbstexperiment zu zukunftsorientierten Lebensweisen. Darin stellt er die drei Bereiche Frugalismus, Minimalismus und Nachhaltigkeit in Form vieler Praxisbeispiele aus dem Alltag vor. Drei Fragestellungen rückten dabei in den Vordergrund: Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?  Auf was kann/möchte ich verzichten, auf was nicht? Wie kann ich Nachhaltigkeit in mein Leben/Alltag integrieren? Letztendlich stand die Frage im Raum: „Ist weniger somit mehr?“ Zusammenfassend wird diese mit ja beantwortet, denn alle drei Bereiche bieten Ansatzpunkte (aus Sicht des Vortragenden jeweils nicht vollständig), um ein zufriedenes aber dennoch zukunftsorientiertes (nachhaltigeres) Leben zu führen.

Dieses abschließende und auf den persönlichen Wandel ausgerichtete Thema rief eine besonders ausgeprägte Diskussion hervor, bevor es für alle Teilnehmenden und Verantalter*innen in die wohlverdiente Sommerpause ging.

Mit Begeisterung zur nächsten W:NE-Vortragsreihe

Auch in diesem Jahr war die W:NE-Vortragsreihe wieder ein voller Erfolg. Wissenschaftler*innen, Studierende und jede Menge interessierte verfolgten die Vorträge gespannt und brachten die Diskussionen durch unterschiedliche Ansichten und tolle Ideen in Schwung. Und auch die Vortragenden waren begeistert – sie hatten nicht nur die Möglichkeit ihr Wissen in die Welt zu tragen und neue Impulse zu setzen, sondern konnten durch den angeregten Austausch auch ihren Horizont erweitern.

Und das beste: Nach der Sommerpause geht es weiter. Im kommenden Wintersemester wartet eine neue W:NE-Vortragsreihe mit vielen spannenden Themen auf ein neugieriges Publikum. Falls Sie sich für das Programm interessieren und daran teilnehmen möchten, finden sie weiterführende Informationen auf unserer Institutswebsite. Zur Teilnahme ist keine Anmeldung erforderlich und alle Interessierten (auch Studierende) sind herzlichst eingeladen. Das ZNWU Team blickt mit Vorfreude auf das nächste Semester und freut sich über Ihre rege Teilnahme!

Autor: ZNWU Team

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