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„ZukunftsBildung – bereit für die Herausforderungen unserer Zeit“

Quelle: h_da

Wie junge Menschen durch Bildung an Klimathemen herangeführt und für Nachhaltige Entwicklung sensibilisiert werden können, war Thema beim zweiten jährlich stattfindenden Tag der Nachhaltigkeit am 14. November 2023 an der Hochschule Darmstadt (h_da). „ZukunftsBildung – bereit für die Herausforderungen unserer Zeit“ war das Motto der Veranstaltung in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der Evangelischen Hochschule Darmstadt, der Technischen Universität Darmstadt und der Stiftung Forum für Verantwortung. Erstmals haben drei Darmstädter Hochschulen den Tag der Nachhaltigkeit ausgerichtet, freut sich Prof. Dr. Nicole Saenger, Vizepräsidentin für Forschung und Nachhaltige Entwicklung an der h_da.

„Alle drei Hochschulen haben gezeigt, dass sie Bildung für Nachhaltige Entwicklung umsetzen. Für unsere Studierenden ist es immens wichtig, die Herausforderungen des Klimawandels zu begreifen und interdisziplinär Lösungsansätze zu erarbeiten. Dies geschieht natürlich in Zusammenarbeit mit unseren Forschenden, denn durch die Umsetzung der Erkenntnisse der angewandten, nachhaltigkeitsorientierten Forschung transformiert sich unsere Gesellschaft.“

Vorträge, Workshops und Messe gut besucht
Was sind die Anforderungen an eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung? Welche Kompetenzen braucht es für die sozial-ökologische Transformation? Welche Rolle können und sollten Studierende auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft spielen? Und welche Rolle spielen dabei die Hochschullehrenden? Fragen wie diese diskutierten die rund 130 Interessierten beim Tag der Nachhaltigkeit in Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion.

Auf der begleitenden Messe stellten sich Initiativen und Projekte vor, darunter der Verein Klimabildung e.V., Climate Fresk aus der Hochschulgruppe HONEDA (Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung in Darmstadt) sowie das Jugendforum youpaN.

Inga Thao My Bui, Poetry Slammerin und Studentin der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde sowie Mitglied des Zukunftsrats Rheinland-Pfalz, fesselte das Publikum mit ihrem emotionalen Gedicht „Kulturelle Revolution“ zu ihrer ganz persönlichen Perspektive auf die Herausforderungen des Klimawandels.

Die Auftakt-Keynote mit dem Titel „Bildung für Nachhaltige Entwicklung – Empowerment, Resilienz, Verantwortung“ sprach Leonie Bellina von der Universität Tübingen (Projekt Hoch-N: Nachhaltigkeit an Hochschulen). Sie erläuterte unterschiedliche Perspektiven auf „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“, die Menschen dazu befähigen soll, eine verantwortungsvolle Zukunft mitzugestalten. In sechs parallelen Workshops ging es um ZukunftsBildung mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Workshop 1: Nachhaltigkeit in Studium & Lehre? Von inter- & transdisziplinären Chancen & Herausforderungen
Im Fokus des Workshops stand die Sensibilisierung für die Potenziale und Herausforderungen der inter- und transdisziplinären Lehre. Dabei wurde betont, wie wichtig es ist, ein klares (inter-)disziplinäres Verständnis von Nachhaltigkeit und BNE zu entwickeln, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden (Folien). Gemeinsam mit den Teilnehmenden deckten die Referierenden Fabian Schäfer, Studienfeld Nachhaltige Entwicklung an der h_da und Nora Große, Wissenschaftliche Koordinatorin für Nachhaltigkeit in der Lehre an der FU Berlin, individuelle Spielräume auf und identifizierten konkrete Anknüpfungspunkte sowie Handlungsfelder zur Umsetzung von BNE. Nach einem Input zu verschiedenen BNE-Konzepten, reflektierten die Teilnehmenden in angeregter Kleingruppenarbeit, wo sie beispielsweise ihr größtes Wirkpotenzial sehen oder auch „Windows of Opportunity“, um BNE implementieren zu können. Das Ziel war, ein tieferes Bewusstsein für die Chancen und Aufgaben inter- und transdisziplinärer Lehre im Kontext von Nachhaltigkeit zu schaffen.
Workshop 2: Deep Transformation. Was wir brauchen, damit gesellschaftliche Umbrüche tatsächlich gelingen
Der Begriff der sozial-ökologischen Transformation gehört zum festen Inventar öffentlicher Diskurse und ist zentraler Handlungsimpuls sowohl in der nachhaltigkeitsorientierten Forschung als auch in unterschiedlichen Transferprojekten. Doch viele dieser Projekte bleiben auf halber Strecke stecken, sozial erwünschte Antworten und die gelebte Praxis klaffen auseinander. Prof. Dr. Lars Rademacher (h_da) und Selina Leitz, Studentin Onlinekommunikation an der h_da, diskutierten mit Interessierten Methoden, wie eine tiefe und anhaltende Transformation gelingen kann. Im Mittepunkt standen dabei die Theory U von C. Otto Schamer und die Inner Development Goals (IDG). Die Teilnehmenden entwickelten gemeinsam Handlungsempfehlungen, mit denen Transformationen sich leichter in ihren eigenen Organisationen und Wirkungskreisen umsetzen lassen (Folien inkl. Ergebnisse).
Workshop 3: Dark Places: was darf uns Bildung für Nachhaltige Entwicklung zumuten?
Wir erleben heute erhebliche Unterschiede zwischen der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Dringlichkeit von Veränderungen für unsere aktive Gestaltung der Großen Transformation einerseits und dem wissenschaftlichen Konsens über stattfindende Veränderungen in unserem System Erde andererseits. Exemplarisch dafür: Earth beyond six of nine planetary boundaries oder Exceeding 1.5°C global warming could trigger multiple climate tipping points. Wie sollen wir mit diesen Erkenntnissen in der Lehre umgehen? Wieviel Zumutung ist erträglich? Wieviel Zumutung ist notwendig? In diesem Workshop lotete Prof. Dr. Sven Linow (h_da) mit den Teilnehmenden die Grenzen zwischen notwendigem Verstehen und emotionaler Überforderung aus (Folie).
Workshop 4: Aus den Augen, aus dem Sinn?! Von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft
In diesem interaktiven Workshop erfuhren die Teilnehmenden, wie Abfälle in wertvolle Ressourcen umgewandelt werden können, indem Stoffkreisläufe geschlossen werden. Die Referierenden Prof. Dr.-Ing. Iris Steinberg und Kyra Atessa Vogt (beide h_da) sowie Maria Montenegro und Samuel Bimmermann (Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD), Darmstadt) zeigten die Wege einzelner Abfallströme auf und gaben praxisnahe Einblicke in die komplexen Herausforderungen auf dem Weg von der Abfall- zur Kreislaufwirtschaft (Folien). Unter anderem lernten die Teilnehmenden die Wege kennen, die ein Beispielabfall in unterschiedlichen Tonnen geht – einerseits als richtig getrennt, andererseits als Fehlwurf. Sie erhielten ein Gefühl für die enormen Ressourcen, die benötigt werden, um dieses System am Laufen zu halten und dass ein Vielfaches an Energie und Ressourcen gespart werden könnte, wenn richtig getrennt würde. Deutlich wurde, dass die getrennte Erfassung von Abfällen in den Haushalten komplex und vielschichtig ist, dass viel Verantwortung den Verbraucher*innen zugeschoben wird, während die Hersteller von Verpackungen wenig bis keine Verantwortung übernehmen.
Workshop 5: Wie kann Klimagerechtigkeit an meiner Hochschule aussehen?
In diesem Workshop ging es darum, sich mit kritischen Perspektiven auf Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit (u.a. mit diskriminierungssensibler Haltung und dekolonialen Ansätzen) zu beschäftigen und was diese für Hochschulen bedeuten können (Folien). Dabei diskutierten die Referierenden Be, Multiplikator*in und Vorstandsmitglied im netzwerk n, und Max Trempenau, Student Geographie und studentische Hilfskraft im netzwerk n, gemeinsam mit den Teilnehmenden konkrete Handlungsmöglichkeiten und Ansätze.
Workshop 6: Innovative Lehrformate und Zukünfte der Nachhaltigkeit
Im Workshop stellte Eva Schäfer (h_da und DG hochN) zunächst das Projekt INNO4BNE vor, das gezielt Menschen adressiert, die selbst lehren oder Studienprogramme (weiter)entwickeln. Es folgte ein Blick auf die Frage, wo und wie sich BNE zeigen und welche Schlüsselkompetenzen sie vermitteln kann. Im Anschluss hatten die Teilnehmenden Zeit, ein konkretes Format selbst zu testen, das die antizipatorische Kompetenz anspricht: Mit dem Kartenspiel „Future Game 2050“ wurde das Entwickeln von Szenarien und Visionen wünschenswerter und/oder potentieller Zukünfte am Beispiel von Zukunftsberufen geübt. Die Teilnehmenden stellten fest, dass es viele Anknüpfungspunkte an die Lebensrealität von Studierenden gibt, und sie diskutierten, wie Hochschulen sich ändern könnten, um ihre Studierenden noch besser auf Zukunftsberufe mit zahlreichen Unbekannten vorzubereiten (Folien inkl. Ergebnisse).

Podiumsdiskussion rundet den Tag ab
Am Nachmittag sprach Philipp Gutberlet, Mitglied des youpaN, dazu, wie Bildung für Nachhaltige Entwicklung Hochschulen verändern kann und sollte (Folien). In der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema ZukunftsBildung diskutierten neben ihm, Prof. Dr. Nicole Saenger, Vizepräsidentin für Forschung und Nachhaltige Entwicklung an der h_da, Silke Tannapfel, Abteilungsleiterin Hochschulen und Infrastruktur im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sowie Dr. Silke Kleihauer, Leiterin der Innovations- und Transformationsplattform für Nachhaltige Entwicklung an der h_da (itp:ne).

Tag der Nachhaltigkeit 2024
Der Tag der Nachhaltigkeit findet jährlich an einer der kooperierenden Hochschulen statt. Über Zeit und Ort des nächsten Tages der Nachhaltigkeit informieren wir zu gegebener Zeit. Nachhaltige Entwicklung ist und bleibt ein sehr wichtiges Thema, sagt Prof. Dr. Michael Vilain, Vizepräsident für Forschung und Internationales der Evangelischen Hochschulde Darmstadt.

„Nachhaltigkeit geht uns alle an. Als Hochschulen tragen wir sowohl durch Forschung als auch durch Lehre in besonderer Weise zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung bei. Ich freue mich daher, dass sich unser Tagungsformat von seinen Anfängen an unserer Hochschule zu einem südhessischen Verbundprojekt weiterentwickelt und in diesem Jahr an der h_da eine großartige Weiterentwicklung erfahren hat.”

Sie möchten über kommende Tage der Nachhaltigkeit informiert werden? Dann schreiben Sie gerne an tagdernachaltigkeit@h-da.de.

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