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Eine Woche rund um Nachhaltige Lebensstile: Vielfältige Aktionen und ein Selbstexperiment

Die erste Juniwoche stand im Zeichen Nachhaltiger Entwicklung. In der Aktionswoche “Nachhaltige Lebensstile”, die im Rahmen der europäischen Nachhaltigkeitswoche stattfand, gab es fünf Tage lang spannende (Mitmach-)Aktionen zum Thema. Die Aktionswoche war ein Gemeinschaftsprojekt von h_da, Hochschulgruppe Nachhaltigkeit, Studierendenwerk Darmstadt und TU Darmstadt. Von Montag bis Freitag gab es verschiedenste Programmpunkte  rund um die Themenbereiche Nachhaltige Entwicklung und klimafreundliche Ernährung, die viele Interessierte besuchten. Über die Woche hinweg wurde außerdem in einem Selbstexperiment dazu aufgerufen, die Klimabilanz der eigenen Ernährung genauer zu betrachten.

Spannende Aktionen und Führungen

Julian Stock von Alnatura führte seine Zuhörer bei der Auftaktveranstaltung ins Thema „Ernährung in Zeiten der Klimakrise“ ein. Im Lauf der Woche gab es mehrere interaktive Führungen: durch die Solarhäuser der TU, durch die Grünpause und zu den „Mensa-Bienen“ auf einem Balkon der Mensa-Lichtwiese. Ein Highlight war die Open-Air-Filmvorführung des Films „Unser Saatgut“ an der Grünpause.

Zudem waren die Teilnehmenden der Aktionswoche selbst aktiv: In Kooperation mit der TU-Fachschaft Psychologie stellten Workshopteilnehmer nachhaltige Bienenwachstücher und Netzbeutel für Obst her. Außerdem standen während des Aktionszeitraums Sammelboxen für Alt-Handys bereit – sodass jeder sein ungenutztes Mobiltelefon für einen guten Zweck abgeben konnte. Die gesammelten Handys werden recycelt und der Erlös geht an Schutzprojekte der zoologischen Gesellschaft Frankfurt.

Spannende Aktionen und Führungen

Die Initiative Nachhaltige Entwicklung in der h_da (i:ne) war, neben dem Auftaktvortrag durch Julian Stock, auch Initiator des nachhaltigen Selbstexperiments „Wie klimafreundlich (b)isst du?“. Im Experiment ging es darum, die eigene Ernährung unter dem Fokus Klima genauer zu betrachten. Dazu verwendeten die Teilnehmer die KlimaTeller App – eine Webseite, die die CO2-Äquivalente von Lebensmitteln katalogisiert hat – und konnten so ihre eigene Klimabilanz ausrechnen. Bei der interaktiven Abschlussdiskussion am Freitag fanden sich einige Teilnehmer mit Experten zusammen, um über die gesammelten Erkenntnisse, Erfahrungen und Hintergründe zur klimafreundlichen Ernährung zu sprechen.

Als Experten nahmen Georg Richarz (Nachhaltigkeitsmanager des Studierendenwerks), Joost Hartwig (Vorstand der Solidarischen Landwirtschaft Darmstadt e.V.) und Sebastian Herold (Professor im Studiengang Energiewirtschaft/Selbstversuch Klimaziel 1,5 Grad) an der Podiumsdiskussion teil. Jana Kutschmann von der i:ne leitete die Diskussion.

Klimabilanz ist sehr komplex

Nach einer kurzen Einführungsrunde, in der die Experten sich vorstellten und ihren Bezug zu nachhaltiger Entwicklung herausstellten, richtete Jana Kutschmann direkt die erste Frage ans Plenum: „Welche Erfahrungen habt ihr während des Selbstexperiments gesammelt?“ Gleich mehrfach viel der Begriff „komplex“. Zum einen beschrieben die Teilnehmenden damit die aufwendige Dokumentation über die KlimatellerApp. Zum anderen brachte das Selbstexperiment den Teilnehmern die Erkenntnis, dass Klimabilanzen von Mahlzeiten komplexer sind als gedacht. Nicht nur die Art der Herstellung oder der Transportweg fließen mit ein, sondern auch die Art der Verpackung, Lagerung und Verarbeitung.

Gerichte, die auf den ersten Blick klimafreundlich wirkten, hatten zum Teil unerwartet hohe CO2-Äquivalente. Ein Zuhörer erzählte, wie er in der Mensa die Wahl zwischen in Butter geschwenkten Schupfnudeln und einem Gericht mit Hähnchen hatte. Dabei war nicht etwa die Klimabilanz des vegetarischen Gerichts besser, sondern das Hähnchengericht. Ein Grund dafür kann sein, dass 1kg Butter ca. 3.000 g CO2äq. verursacht, wohingegen 1kg Hähnchenbrust mit knapp 1.800 g CO2äq. weit dahinter liegt. Andere Teilnehmer teilten ähnliche Erfahrungen. Während Gerichte mit Fleisch eher als klimaschädlich gelten, fehlt das  Bewusstsein für viele andere Zutaten noch. Gerade Milchprodukte werden oft vernachlässigt und die Klimabilanz aller Lebensmittel zu kennen ist kaum möglich, gerade weil das Thema so komplex ist.

Dem stimmte auch Georg Richarz zu, der in Vorbereitung auf die Woche der Nachhaltigkeit die CO2-Äquivalente der Mensa-Gerichte berechnet hat. Während der Aktionswoche, waren alle Hauptgerichte in den Mensen des Studierendenwerks mit ihren CO2-Äquivalenten ausgezeichnet.

In diesem Zusammenhang sprach sich Sebastian Herold dafür aus, dass die CO2-Bilanz für den Verbraucher preislich spürbar sein sollte. Darauf folgte Zustimmung aus dem Plenum. Durch die Komplexität des Themas ist es für den Endverbraucher schwierig sich selbst umfassend zu informieren – preisliche Unterschiede könnten Transparenz schaffen und zu klimafreundlichem Einkaufen anregen.

Weitere Aspekte nachhaltiger Ernährung

Im Verlauf der Diskussion beschäftigten sich die Anwesenden außerdem mit der Frage, welche Aspekte – neben dem Klimawandel – noch für eine nachhaltige Ernährung wichtig sind: Einkauf von biologischen Produkten, um dem Problem der Überdüngung der Böden mit dem eigenem Konsumverhalten zu begegnen. Zudem spielen soziale und kulturellen Aspekte eine große Rolle. So möchten beispielsweise gerade Männer vermehrt nicht auf Fleisch verzichten – das Steak vom Grill wird als Kult angesehen. Seit 2018 machen vegetarische oder vegane Speisen die Hälfte des Mensa-Angebots aus. Die letzte Mensa-Erhebung des Studierendenwerks hat aber gezeigt, dass trotzdem noch ein Drittel der Mensa-Gäste mehrmals wöchentlich Fleisch essen.

Die Zuschauer und Experten waren sich darüber hinaus einig, dass ein weiteres Problem in der Nahrungsmittelverschwendung liegt. Daran sollte sich von Verbraucher- wie politischer Seite etwas ändern.

Auch wenn ein nachhaltiger Lebensstil nicht immer leicht umzusetzen ist und viel Planung und Reflektion erfordert – kann jeder einen Beitrag im Rahmen seiner Möglichkeiten leisten: weniger Flugreisen, Einkauf von Biolebensmitteln aus der Region, weniger Fleisch- und Milchprodukte oder die Minimierung der eigenen Lebensmittelverschwendung.

Zum Ausklang des Abends gab es Snacks von der sti:ne mit Angabe der enthaltenen CO2-Äquivalente. An den neu erbauten Wildbienenhäusern haben die Teilnehmer sich weiter ausgetauscht – mal sehen wie sich die Erkenntnisse des Selbstexperiments auf die zukünftige alltägliche Ernährungsweise auswirken.

Für alle, die die Wildbienenhäuser selbst besuchen möchten: sie stehen jetzt auf dem Hauptcampus der h_da zwischen dem Hochhaus und dem Fachbereich Architektur.


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